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Auszüge aus einem lesenswerten Artikel über die Steiermark von Ingo Wilhelm/Merkur online

 

Steiermark: Wie Toskana, aber anders

Das T-Wort darf eigentlich nicht fallen. Sie hören es nicht gerne hier in der Südsteiermark, diesen ständigen Vergleich mit der Toskana.

Nur weil es auch dort großartigen Wein gibt. Und eine liebliche Landschaft mit Rebgärten und Wäldern. Und eine bodenständig-raffinierte Küche. Und Sonne. Und Kulturschätze. Und Lebensart. Sie drängen sich einfach auf, die Vergleiche mit der Toskana, meint Autor Ingo Wilhelm.

Landschaft für die Leidenschaft

Das Chianti der Südsteiermark heißt Sausal und ist eine überschaubare Gruppe kühn geschwungener Hügel rund um den Hauptort Kitzeck. Die Rebstöcke wurzeln hier in paläozoischen Schiefern, die dem Sauvignon oder Riesling aus der Gegend eine besondere Kraft verleihen – die Quintessenz dessen, wofür südsteirische Weine weltberühmt sind.

Flüssiges Gold aus Kernen

Das flüssige Gold der Steiermark ist das Kürbiskernöl – immens stark im Aroma nach gerösteten Nüssen und so gesund, dass die Steirer es überall zugeben: an den Salat, die Brotzeit, die Nudeln, sogar den Guglhupf. Im Pressraum einer Ölmühle werden die gemahlenen Kerne mit Wasser und Salz vermischt. Weiter geht es in den Röster und schließlich in die Presse. Mit einem Druck von 300 Bar zwingt sie das Öl aus der dampfenden Masse, bis es in tiefgrünen Bahnen an der silberglänzenden Presssäule herabläuft. 60 Kilo Kerne braucht man, um 24 Liter Öl zu gewinnen. Ein edelstahlpolierter Pressraum steht in krassem Kontrast zu historischen Mühlen aus dem 18./19. Jahrhundert. Viele Ölmühlen können von der Tradition des Gewerbes erzählen und halten Ausstellungsstücke oder kleine Museen bereit. Rund 300 Jahre alt ist die sogenannte Ölkuh, in der eingehämmerte Holzkeile das Öl aus dem Sterz pressten. Kürbiskernöl können Sie hier erwerben.

Wellness aus Wein

Man kann den Steirischen Wein natürlich trinken, als innerliche Anwendung sozusagen. Das beschwingt und legt sich wie ein Weichzeichner über den kantigen Alltag. Luise Köfer kennt sich aus damit, schließlich stammt sie aus dem Weinland. Doch sie schwört vor allem auf die äußerliche Anwendung von Traubenkernöl, Schalenextrakt oder gemahlenem Trester. Luise Köfer führt die Firma Vinoble, und ihr Day Spa in Kaindorf ist die erste Adresse für Weinwellness in der Südsteiermark. Ganzheitlich organisierte Wellnesshotels wie im Thermenland der Oststeiermark gibt es hier im Süden nicht. Die meisten Feriengäste wohnen in Winzerzimmern und kommen zur Wellnessbehandlung ins Day Spa. Während er knetet und reibt, erzählt Juniorchef Peter Köfer von den wertvollen Inhaltsstoffen der Weintraube. Vom Viniferin, das die Haut beruhigt und den Fettabbau in den Zellen beschleunigt. Vom Reservatrol aus den roten Trauben, das unter Fachleuten als Anti-Aging-Wirkstoff mit Botoxähnlicher Wirkung gilt. Oder vom Wundermittel OPC, einem Antioxidans aus Traubenkernen. Der Geruch der Wellness-Weinprodukte ist sehr dezent. Vinoble-Produkte sind frei von Parfum, Farbstoffen, Parabenen oder Paraffinen. „Für mich war wichtig, etwas Natürliches und Gesundes zu machen“, sagt Luise Köfer. Mehr als 50 Vier- oder Fünf-Sterne- Hotels verwenden die Produkte inzwischen, darunter der berühmte Stanglwirt in Going. Die Muskeln gelockert, die Haut gereinigt, die Seele balsamiert – nach anderthalb Stunden ist die Behandlung vorbei. Peter fragt, ob noch ein Wunsch offen sei, vielleicht ein Glas Sauvignon? Oh gerne, jetzt aber bitte zur innerlichen Anwendung.

Ingo Wilhelm


Quelle: http://www.merkur-online.de/reise/reise-special/wellness/steiermark-wellness-toskana-aber-anders-1362824.html